Pantelitz. „Die Kuh ist erst einmal vom Eis“, kommentierte Fred Schulz-Weingarten, Bürgermeister in Pantelitz, am Tag danach die
Entscheidung seiner Gemeindevertreter am Donnerstagabend. Bei nur einer Enthaltung stimmten diese, teils zähneknirschend,
aber einmütiger als von manchem erwartet, als letzte der Übernahme „ihres“ Anteils an den Altschulden der angeschlagenen
Wohnungsbaugesellschaft Richtenberg (WBG) zu.

Entsprechende Beschlüsse hatten bereits die anderen 13 Kommunen gefasst, die sich als Gesellschafter verpflichteten,
für diese Verbindlichkeiten gerade zu stehen. Die Übernahme der Altschulden ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die
angeschlagene Gesellschaft weiter arbeiten kann. „Da müssen wir heute durch“, hatte auch Peter Forchhammer, leitender
Verwaltungsbeamter des Amtes Niepars, dafür plädiert, „den Beschluss herbeizuführen, um Schlimmeres zu verhindern.
„Wenn wir die Gesellschaft mit einer Kreditablösung für die nächsten zehn Jahre sicher stellen, heißt das aufpassen, dass dort
dann das passiert, was von uns gewollt wird“, wies er auch auf den Wunsch nach Abriss zweier Blocks in Niepars und die
Sanierung des Exemplars in Pantelitz hin.

Von der DKB-Bank tilgungsfrei gestellt, könnten über die Mieteinnahmen und den eingesparten Kapitaldienst
(etwa 390 000 Euro jährlich) Sanierungsmaßnahmen an den Gebäuden finanziert werden, die einmal einen Quadratmeterpreis
von bis zu acht Euro rechtfertigen sollen, hatte Petra Kischnick von der WBG Richtenberg zuvor erläutert. Weitere Kreditaufnahmen
seien nicht mehr möglich. „Wir wissen in den nächsten zehn Jahren genau, was zu leisten ist“,
versicherte sie und bat: „Geben Sie uns noch eine Chance!“

Es mag vor allem der Mangel an Erfahrung gewesen sein, der in der Vergangenheit zu Fehleinschätzungen und schließlich
in den Schlamassel führte. „Ein schweres Erbe“, so der Bürgermeister, denn das Vertrauen in die Gesellschaft ist dabei
verloren gegangen. „Aber raus kommen wir auch nicht, also minimieren wir das Risiko.“

Rechtlich ein anderes Blatt, aber für die Gemeindevertreter ein Batzen ist eine Doppelbelastung mit den Pantelitzer Wohnblocks.
Die Gemeinde hatte für einen Sanierungskredit bei einer anderen Bank gebürgt, aktuell sind es noch 115 000 Euro, weit weniger
als die Immobilie wert sei. Eine Entscheidung darüber, ob im Zuge der finanziellen Umbauten dieser Kredit nicht auch besser
bei ihr aufgehoben wäre, hat die DKB-Bank noch nicht gefällt.

14 Kommunen haben Altschulden nun an der Backe
Die Wohnungsbaugesellschaft mbH (WBG) in Richtenberg ging aus der ehemaligen Gebäudewirtschaft Richtenberg hervor.
17Kommunen aus dem ehemaligen Landkreis Stralsund wurden in den 1990er-Jahren die Gesellschafter. 14 der Gemeinden,
darunter Pantelitz, waren mit Belastungen in die Gesellschaft eingestiegen und haben sich nun verpflichtet, die Altschulden
anteilig zu übernehmen. Die Restvaluta liegt derzeit bei etwa 5,6 Millionen Euro, so Petra Kischnick von der WBG.
65 000 Euro muss Pantelitz zahlen. Eine Summe, die wegen der derzeit günstigen Zinsen per Kredit finanziert werden soll.
Zugleich sind die betroffenen Gemeinden damit aus der gesamtschuldnerischen Haftung für die Altschulden entlassen.

Susanne Retzlaff

 


 

OZ 26.02.2014
Mieten bleiben bei 4,80 Euro pro Quadratmeter

Pantelitz – In unserem gestrigen
Beitrag über die Altschulden der
Wohnungsbaugesellschaft Richtenberg
hat sich ein Fehler eingeschlichen:
Die Mieten werden
nicht auf acht Euro pro Quadratmeter
erhöht. „Wir wollen in den
nächsten Jahren diese acht Euro
in die Sanierung der Wohnungen
stecken – je nach Dringlichkeit.
Die Miete bleibt im Durchschnitt
bei 4,80 Euro pro Quadratmeter“,
betont WBG-Geschäftsführerin Petra
Kieschnick gegenüber unserer
Zeitung.