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/OZ/LOKAL/HST vom 28.01.2013 00:00
Flammenmeer zerstört Haus in Pantelitz
Die Bewohner können sich in Sicherheit bringen, müssen aber mit ansehen, wie das Feuer alles verwüstet.

Pantelitz (OZ) - „Es ist einfach nur schrecklich. Man steht vor seinem Haus und muss mit angucken, wie das Feuer wütet. Zuerst dachte ich, man kann noch was retten, aber spätestens als die Decke einstürzte, war mir klar, dass die Flammen alles zerstört haben“, sagt Volkmar Quaas. Seine Stimme zittert, wenn er nur an die letzte Nacht denkt.

„Wir sind so halb eins wach geworden. Die Hunde waren unruhig und sind meiner Frau auf den Bauch gesprungen“, erinnert sich der 47-Jährige und beschreibt: „Wir haben gerochen, dass es verkokelt riecht, aber ich bin durchs ganze Haus gerannt und habe kein Feuer gefunden. Durch ein Knistern sind wir darauf gekommen, dass es zwischen den Wänden brennt. Als ich anfasste, war es kochendheiß. Zum Glück hatte ich da schon die Feuerwehr alarmiert. Und die kam auch schnell.“

0.35 Uhr geht der Hilferuf in der Leitstelle ein, kurz darauf stehen die Wehren aus Niepars, Zimkendorf, Richtenberg, Velgast mit Verstärkung aus Altenhagen und Behrenwalde, Flemendorf, Langendorf sowie die Freiwillige Feuerwehr Stralsund und die Berufsfeuerwehr der Hansestadt im Viersdorfer Weg. 15 Fahrzeuge bringen sich in Position, 70 Retter warten auf ihren Einsatz. „Wir mussten aufpassen, dass unsere Kameraden bei der Fahrt nach Pantelitz nicht im Straßengraben landen. Der starke Schneefall machte uns ganz schön zu schaffen. Der Boden war gefroren, und auch so manche Löschwasserstelle machte Probleme. Also mussten wir ständig hin und her fahren, um die Wasserversorgung abzusichern. Das war in dieser eisigen Nacht unsere größte Sorge“, erklärt Matti Holtfreter. Der Nieparser Jugendwehr-Chef hat als Einsatzleiter den Hut auf, muss Technik und Männer koordinieren. „Das hat alles super geklappt. Ich kann mich nur bei allen Kameraden und auch bei der Berufsfeuerwehr bedanken“, sagt der 27-Jährige. Er steckt zwar schon 13 Jahre in der Feuerwehr-Uniform, doch so ein großer Einsatz — das bedeutete auch für ihn eine Premiere.

Bis 7.30 Uhr wirbeln die Einsatzkräfte, schlagen sich mit vereisten Drehleitern, glatten Blitzeis-Wegen, nassen Sachen und durchgeweichten Stiefeln herum. Immer wieder fahren einige Männer in die Gerätehäuser zurück, um trockenen Ersatz zu beschaffen. „So ein Einsatz bei dieser Kälte, da ist man kalt bis auf die Knochen. Ganz toll, dass sowohl die Kameraden aller Wehren, aber auch die Mitarbeiter der Martensdorfer Tankstelle für heißen Kaffee und einen Bockwurst-Imbiss sorgten. Auch dafür kann ich mich nur bedanken“, wiederholt sich Matti Holtfreter gern und ergänzt: „Diese 70 Leute haben bei Schneesturm und Blitzeis ihr Bestes gegeben. Für uns ist natürlich auch wichtig, dass sich die Familie in Sicherheit bringen konnte. Wir haben Decken angeboten, denn das Ehepaar stand ja quasi im Schlafanzug draußen. Sie kam dann bei den Nachbarn unter.“ Bis in die Vormittagsstunden hinein wird Brandwache gehalten.

Nachts drei Uhr eilt auch Bürgermeister Fred Schulz-Weingarten zur Unglücksstelle. „Ich war so verdaddert, ich wusste gar nicht, was los ist. Und als ich in den Viersdorfer Weg einbog, war das ein erschreckendes Bild. Die Flammen loderten aus dem Haus raus, und dann die vielen Feuerwehren. Das sah aus, als wenn ganz Pantelitz brennt — wie ein Inferno.“

Ein paar Stunden später hat der Bürgermeister bereits die Gemeindevertretung zur Sondersitzung zusammen getrommelt. „Wir wollen unbedingt helfen. So ein Schicksalsschlag geht uns allen sehr nahe. Wir wollen nun versuchen, der Familie mit einem zinslosen Kredit zu helfen, um das Nötigste kaufen zu können. Ich bespreche das morgen mit der Kämmerei und hoffe, dass wir dann schnell handeln können“, so Fred Schulz-Weingarten.

Dass die Familie nicht obdachlos bleibt, war die größte Sorge. Doch Volkmar Quaas bekommt sehr schnell gute Nachrichten. Der selbstständige Hausmeister, der auch für die Wohnungsgenossenschaft Aufbau arbeitet, darf noch am Nachmittag eine Ferienwohnung des Unternehmens in Stralsund beziehen. „Ich bin so froh, dass wir erst mal ein Dach über dem Kopf haben. Ein Paar Sachen zum Anziehen haben unsere Geschwister gebracht. Mein Sohn, der in der Stadt wohnt, besorgte Duschbad und sowas. Es fehlt ja eigentlich alles“, kann der Familienvater auch gestern am späten Nachmittag noch gar keinen klaren Gedanken fassen. Gern möchte er auf die Hilfeangebote zurückkommen, doch erst einmal müssen er und seine 46-jährige Frau Petra das Ganze realisieren.

„Erst 2011 haben wir das Haus gekauft und dann saniert. Es war gerade alles fertig geworden — mit neuem Bad und neuer Küche“, sagt Volkmar Quaas und verzweifelt fast bei seiner Aufzählung: „Mein ganzes Werkzeug, meine Kundendaten, alles ist verbannt. Ich weiß gar nicht, wie ich jetzt mein Geld verdienen soll. Er schluckt und sagt nach ein paar Sekunden: „Aber wir können froh sein, dass die Hunde uns wach gemacht haben. Wir leben, und wir halten zusammen, auch wenn nur noch zwei unserer vier Kinder zu Hause wohnen. An was anderes darf man jetzt gar nicht denken.“

Der Brandursachenermittler der Kripo wird am Montag die Ermittlungen fortführen, die die Polizei gestern begann. Sie geht von einem technischen Defekt aus. Geschätzter Schaden: 100 000 Euro.

Ines Sommer
 
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