Presse

 

/OZ/LOKAL/HST vom 31.01.2013 00:00
Brandopfer gerührt von der Hilfswelle
Familie Quaas aus Pantelitz dankt allen, die nach dem verheerenden Feuer etwas spenden.
OZ-Bild
Maria, Petra, Volkmar und Rebecca Quaas gestern in der Ferienwohnung.
Foto: Ines Sommer

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Pantelitz/Stralsund (OZ) - „Gestern klingelte es an der Tür, da stand ein Elektriker von der WGA vor der Tür und drückte mir 20 Euro in die Hand. Ich wollte das Geld nicht annehmen, doch er drehte sich um und verschwand.“

Volkmar Quaas hat in den letzten Tagen oft solche Erlebnisse. Die Menschen zeigen ihr Mitgefühl, weil die Familie aus Pantelitz in der Nacht zum Sonntag ihr Haus verlor. Ein technischer Defekt im Kaminabzug, so die Feststellung der polizeilichen Untersuchung, hat das Flammen-Inferno ausgelöst. Geschätzter Schaden: 100 000 Euro. Das Häuschen, das die Familie 2011 ersteigert hatte, wurde in mühevoller Arbeit von innen komplett saniert. „Wir hatten alles so schön gemacht, alles farblich abgestimmt, Möbel und Fliesen — alles passte zueinander. Man hat ja da auch so seine Vorstellungen, und die haben wir uns Stück für Stück erfüllt. Nun konnten wir gerade mal ein gutes Jahr drin wohnen“, sagt Petra Quaas. Der 46-Jährigen fällt es schwer, über all das zu sprechen. „Wenn ich einkaufen gehe, fallen mir Sachen auf, bei denen ich denke: Das hab ich ja auch im Haus. Und dann wird mir schmerzlich bewusst, dass ich ja kein Zuhause mehr habe. Und jetzt so in der Ferienwohnung hab ich immer das Gefühl, ich bin im Urlaub und fahr irgendwann wieder nach Hause.“ Die gelernte Verkäuferin, die aus Krankheitsgründen bereits Rente bekommt, ringt immer wieder mit den Tränen. „Es sind so viele Kleinigkeiten, die einem fehlen. Ich denk da nur an die ganzen Fotoalben...“

Tochter Maria vermisst am meisten ihr Plüschtier, das sie seit 13 Jahren an ihrer Seite hatte. Die 18-Jährige möchte gern Verkäuferin werden, hat aber noch keine Ausbildung. Ihre 16-jährige Schwester Rebecca geht noch zur Schule. „Mir fehlen auch meine Fotos, die ich gerade zu einem Album zusammenstellen wollte.“ Zum Glück gibt es ja noch Tanten und Onkel, die nicht nur mit Wäsche und Kleidung helfen, sondern auch schon das eine oder andere Bild rausgesucht haben. Das gibt besonders den Frauen viel Kraft.

Kraft, die tankt das Quartett auch aus der großen Welle der Hilfsbereitschaft. „Wir danken allen von ganzem Herzen für die Unterstützung. Den Feuerwehrleuten, die morgen den Keller abpumpen, um vielleicht noch etwas retten zu können, den WGA-Mitarbeitern, den Gemeindevertretern, der Nachbarin, die in der ersten Nacht Unterschlupf bot, den vielen Menschen, die schon Geld überwiesen oder uns persönlich in die Hand gedrückt haben“, zählt Volkmar Quaas auf, und seine Frau fügt hinzu: „Man ist richtig peinlich berührt, das geht einem so nahe.“ Erst gestern brachte Nichte Brit die Nachricht aus dem Stralsunder „New Yorker“ mit, dass sich die Familie dort einkleiden kann. Ein anderer Mann, den Familienvater Volkmar von seiner Arbeit als selbstständiger Hausmeister kennt, sponserte kurzerhand einen Werkzeugkoffer samt Kreissäge. „Ich kann gar nicht alles aufzählen, aber danken für alles ganz herzlich“, so das Familienoberhaupt.

Allerdings bitten die Brandopfer um Verständnis dafür, dass sie im Moment Schränke, Tische und Couchgarnituren nicht unterstellen können. Dafür bietet die von der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau zur Verfügung gestellte Ferienwohnung, die Volkmar Quaas als Auftragnehmer übrigens selbst mit eingerichtet hat, natürlich keinen Platz. „Genau deshalb haben wir uns gedacht, Bargeld ist jetzt am nötigsten. Wer also helfen will, kann die Spende auf das Gemeindekonto einzahlen“, sagt Bürgermeister Fred Schulz-Weingarten.

 

Spenden bitte unter „Brandopfer Pantelitz“ , Konto 104 224 bei der DKB-Bank Rostock, BLZ 120 30 000.

Wir sind gerührt von der überwältigenden Anteilnahme und Hilfe.“Petra Quaas (46)
Ines Sommer
 

 

/OZ/LOKAL/HST vom 29.01.2013 00:00
Viel Hilfe für Brandopfer — nun Werkzeug gesucht
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Pantelitz (OZ) - Der Schock in Pantelitz sitzt immer noch tief. Die Menschen sind betroffen von der Brandkatastrophe, bei der die Familie Quaas in der Nacht zum Sonntag ihr Haus verlor (OZ berichtete gestern ausführlich).

Die Flammen hatten so gewütet, dass Volkmar (47) und Petra Quaas (46) nur ihr nacktes Leben retten konnten. Die beiden Töchter — 16 und 18 Jahre alt — waren zum Glück gerade nicht zu Hause.

Das Ehepaar konnte sich zwar rechtzeitig in Sicherheit bringen, weil die Hunde angeschlagen hatten, musste aber mit ansehen, wie ihr Hab und Gut den Flammen zum Opfer fiel.

Gut zu wissen, dass jetzt die Hilfsbereitschaft im Dorf sehr groß ist. Noch am Sonntagnachmittag hatte sich die Gemeindevertretung zu einer Sondersitzung getroffen und beraten, wie man helfen konnte. „Wir wollten ja einen zinslosen Kredit gewähren, aber nach Rücksprache heute mit der Kämmerei weiß ich, dass das nicht geht. Jetzt werden wir als Gemeinde spenden, und zwar 750 Euro. Hinzu kommen 250 Euro — wir wollen nämlich unser Sitzungsgeld spenden“, sagte Bürgermeister Fred Schulz-Weingarten gestern am OZ-Telefon und ergänzt: „Ich werde von vielen Leuten angesprochen, die helfen wollen. Deshalb haben wir uns dazu durchgerungen, unser Konto als Spendenkonto zur Verfügung zu stellen. Wer etwas einzahlen möchte, muss nur als Verwendungszweck angeben, dass das Geld für die Brandopfer von Pantelitz sein soll.“ Bargeld sei sicher die beste Hilfe, sagt Schulz-Weingarten und ergänzt: „Ich möchte allen Feuerwehrleuten danken. Da sieht man erst mal wieder, wie wichtig die Kameraden sind. Und ich bin überwältigt, dass die Leute in der Gemeinde in so einer Situation so zusammenhalten und sich helfen.“

Die Familie hatte noch am Sonntag eine Ferienwohnung der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau bezogen und wurde von den Verwandten mit ein paar Kleidungsstücken und dergleichen versorgt. „Die Hilfsangebote sind überwältigend. Vielen Dank. Vielleicht hat ja noch jemand Werkzeug, damit ich meine Aufträge erledigen kann“, fragt Volkmar Quaas, nachdem er gestern von der Arbeit kam.

Spenden bitte an „Brandopfer Pantelitz“, Konto 104 224 bei der DKB-Bank Rostock, BLZ 120 30 000.

Ines Sommer
 
 
/OZ/LOKAL/HST vom 28.01.2013 00:00
Flammenmeer zerstört Haus in Pantelitz
Die Bewohner können sich in Sicherheit bringen, müssen aber mit ansehen, wie das Feuer alles verwüstet.

Pantelitz (OZ) - „Es ist einfach nur schrecklich. Man steht vor seinem Haus und muss mit angucken, wie das Feuer wütet. Zuerst dachte ich, man kann noch was retten, aber spätestens als die Decke einstürzte, war mir klar, dass die Flammen alles zerstört haben“, sagt Volkmar Quaas. Seine Stimme zittert, wenn er nur an die letzte Nacht denkt.

„Wir sind so halb eins wach geworden. Die Hunde waren unruhig und sind meiner Frau auf den Bauch gesprungen“, erinnert sich der 47-Jährige und beschreibt: „Wir haben gerochen, dass es verkokelt riecht, aber ich bin durchs ganze Haus gerannt und habe kein Feuer gefunden. Durch ein Knistern sind wir darauf gekommen, dass es zwischen den Wänden brennt. Als ich anfasste, war es kochendheiß. Zum Glück hatte ich da schon die Feuerwehr alarmiert. Und die kam auch schnell.“

0.35 Uhr geht der Hilferuf in der Leitstelle ein, kurz darauf stehen die Wehren aus Niepars, Zimkendorf, Richtenberg, Velgast mit Verstärkung aus Altenhagen und Behrenwalde, Flemendorf, Langendorf sowie die Freiwillige Feuerwehr Stralsund und die Berufsfeuerwehr der Hansestadt im Viersdorfer Weg. 15 Fahrzeuge bringen sich in Position, 70 Retter warten auf ihren Einsatz. „Wir mussten aufpassen, dass unsere Kameraden bei der Fahrt nach Pantelitz nicht im Straßengraben landen. Der starke Schneefall machte uns ganz schön zu schaffen. Der Boden war gefroren, und auch so manche Löschwasserstelle machte Probleme. Also mussten wir ständig hin und her fahren, um die Wasserversorgung abzusichern. Das war in dieser eisigen Nacht unsere größte Sorge“, erklärt Matti Holtfreter. Der Nieparser Jugendwehr-Chef hat als Einsatzleiter den Hut auf, muss Technik und Männer koordinieren. „Das hat alles super geklappt. Ich kann mich nur bei allen Kameraden und auch bei der Berufsfeuerwehr bedanken“, sagt der 27-Jährige. Er steckt zwar schon 13 Jahre in der Feuerwehr-Uniform, doch so ein großer Einsatz — das bedeutete auch für ihn eine Premiere.

Bis 7.30 Uhr wirbeln die Einsatzkräfte, schlagen sich mit vereisten Drehleitern, glatten Blitzeis-Wegen, nassen Sachen und durchgeweichten Stiefeln herum. Immer wieder fahren einige Männer in die Gerätehäuser zurück, um trockenen Ersatz zu beschaffen. „So ein Einsatz bei dieser Kälte, da ist man kalt bis auf die Knochen. Ganz toll, dass sowohl die Kameraden aller Wehren, aber auch die Mitarbeiter der Martensdorfer Tankstelle für heißen Kaffee und einen Bockwurst-Imbiss sorgten. Auch dafür kann ich mich nur bedanken“, wiederholt sich Matti Holtfreter gern und ergänzt: „Diese 70 Leute haben bei Schneesturm und Blitzeis ihr Bestes gegeben. Für uns ist natürlich auch wichtig, dass sich die Familie in Sicherheit bringen konnte. Wir haben Decken angeboten, denn das Ehepaar stand ja quasi im Schlafanzug draußen. Sie kam dann bei den Nachbarn unter.“ Bis in die Vormittagsstunden hinein wird Brandwache gehalten.

Nachts drei Uhr eilt auch Bürgermeister Fred Schulz-Weingarten zur Unglücksstelle. „Ich war so verdaddert, ich wusste gar nicht, was los ist. Und als ich in den Viersdorfer Weg einbog, war das ein erschreckendes Bild. Die Flammen loderten aus dem Haus raus, und dann die vielen Feuerwehren. Das sah aus, als wenn ganz Pantelitz brennt — wie ein Inferno.“

Ein paar Stunden später hat der Bürgermeister bereits die Gemeindevertretung zur Sondersitzung zusammen getrommelt. „Wir wollen unbedingt helfen. So ein Schicksalsschlag geht uns allen sehr nahe. Wir wollen nun versuchen, der Familie mit einem zinslosen Kredit zu helfen, um das Nötigste kaufen zu können. Ich bespreche das morgen mit der Kämmerei und hoffe, dass wir dann schnell handeln können“, so Fred Schulz-Weingarten.

Dass die Familie nicht obdachlos bleibt, war die größte Sorge. Doch Volkmar Quaas bekommt sehr schnell gute Nachrichten. Der selbstständige Hausmeister, der auch für die Wohnungsgenossenschaft Aufbau arbeitet, darf noch am Nachmittag eine Ferienwohnung des Unternehmens in Stralsund beziehen. „Ich bin so froh, dass wir erst mal ein Dach über dem Kopf haben. Ein Paar Sachen zum Anziehen haben unsere Geschwister gebracht. Mein Sohn, der in der Stadt wohnt, besorgte Duschbad und sowas. Es fehlt ja eigentlich alles“, kann der Familienvater auch gestern am späten Nachmittag noch gar keinen klaren Gedanken fassen. Gern möchte er auf die Hilfeangebote zurückkommen, doch erst einmal müssen er und seine 46-jährige Frau Petra das Ganze realisieren.

„Erst 2011 haben wir das Haus gekauft und dann saniert. Es war gerade alles fertig geworden — mit neuem Bad und neuer Küche“, sagt Volkmar Quaas und verzweifelt fast bei seiner Aufzählung: „Mein ganzes Werkzeug, meine Kundendaten, alles ist verbannt. Ich weiß gar nicht, wie ich jetzt mein Geld verdienen soll. Er schluckt und sagt nach ein paar Sekunden: „Aber wir können froh sein, dass die Hunde uns wach gemacht haben. Wir leben, und wir halten zusammen, auch wenn nur noch zwei unserer vier Kinder zu Hause wohnen. An was anderes darf man jetzt gar nicht denken.“

Der Brandursachenermittler der Kripo wird am Montag die Ermittlungen fortführen, die die Polizei gestern begann. Sie geht von einem technischen Defekt aus. Geschätzter Schaden: 100 000 Euro.

Ines Sommer
 
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